Sorgearbeit – keine Selbstverständlichkeit!
Zum Equal Care Day am 1. März fordert der Sozialverband VdK Hessen-Thüringen, familiäre Aufgaben gerechter zwischen Mann und Frau zu verteilen

Sorgearbeit, ob bezahlt oder unbezahlt, ist Frauensache. Daran hat sich auch 2026 nicht grundlegend etwas geändert. An jedem Tag leisten Frauen eine Stunde und 19 Minuten mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer. Der sogenannte Gender Care Gap beträgt aktuell 44,3 Prozent. Und auch in den Berufssparten, bei denen die professionelle Sorge um andere Menschen im Zentrum steht, in der Kranken- und Altenpflege oder der frühkindlichen Pädagogik, beläuft sich der Anteil der weiblichen Beschäftigten auf mehr als 80 Prozent. Rechnet man die unbezahlte und bezahlte Arbeit zusammen, ergibt sich in der Summe, dass Frauen im Schnitt pro Woche eine Stunde mehr arbeiten als Männer.
„Diese Zahlen zeigen: Frauen halten unsere Gesellschaft zusammen, ob als Pflegekraft oder pflegende Angehörige, ob als Erzieherin oder Mutter. In ihrer Verantwortung liegt maßgeblich das Wohlergehen von Millionen von Menschen, die aus eigener Kraft nicht für sich sorgen können, weil sie krank, alt, beeinträchtigt oder weil sie einfach noch zu klein dafür sind. Und der Rest der Gesellschaft nimmt diese große Leistung einfach als selbstverständlich und gegeben hin“, sagt Sonja Franz, Landesfrauenvertreterin des VdK Hessen-Thüringen.
Zum Equal Care Day fordert der VdK daher, Sorgearbeit endlich mehr aufzuwerten. „Aber Anerkennung allein genügt nicht“, sagt Sonja Franz: „Stattdessen sollten diese Aufgaben endlich gerechter zwischen den Geschlechtern verteilt werden.“
Aber noch immer wird in Partnerschaften am häufigsten das Modell: er Vollzeit, sie Teilzeit gelebt. 49 Prozent aller erwerbstätigen Frauen, aber nur 12 Prozent ihrer männlichen Kollegen gehen einer Teilzeittätigkeit nach. Weibliche Angehörige übernehmen zu 70 Prozent die häusliche Pflege und kümmern sich um Verwandte, die auf Hilfe angewiesen sind. Die Entscheidung, wegen familiärer Verpflichtungen beruflich kürzerzutreten, treffen sie oft nicht freiwillig, sondern weil es schlicht an Alternativen fehlt. Es gibt zu wenig Plätze in der Tagespflege, und auch die institutionelle Kinderbetreuung deckt häufig den tatsächlichen Bedarf nicht ab. „Hier fordern wir den Ausbau der bestehenden Angebote“, sagt die VdK-Landesfrauenvertreterin. „Aber wir sehen auch die Arbeitgeber in der Pflicht, mehr für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu tun. Flexiblere Regelungen bei der Arbeitszeit würden zum Beispiel vielen Eltern helfen.“
Eine Analyse der Bertelsmann-Stiftung ergab, dass nur in 16 Prozent der Stellenanzeigen mit Familienfreundlichkeit geworben wird. „Hier ist also noch viel Luft nach oben“, sagt Sonja Franz: „Eine veränderte Unternehmenskultur, in der die Bedeutung von Sorgearbeit gesehen wird, könnte Männer dazu motivieren, sich stärker daran zu beteiligen, und damit Frauen ganz neue Freiräume eröffnen.“