Mehr Arbeit, weniger Einkommen und ein höheres Armutsrisiko
Zum Internationalen Frauentag am 8. März fordert der VdK Hessen-Thüringen, die lebenslange Benachteiligung von Frauen wirksam zu bekämpfen.

Altersarmut ist vor allem weiblich. Ältere Frauen tragen ein deutlich höheres Risiko als gleichaltrige Männer, ihren Lebensabend in materieller Not verbringen zu müssen. In der Altersgruppe 65 plus beträgt die Armutsgefährdungsquote bei Frauen 21,5 und bei Männern 17,5 Prozent.
„Gerade bei diesem Thema sind wir auf statistische Erhebungen angewiesen“, sagt Sonja Franz, Landesfrauenvertreterin des Sozialverbands VdK Hessen-Thüringen: „Denn Altersarmut bleibt oft unsichtbar. Aus Scham ziehen sich viele Betroffene zurück. Es fehlt ihnen ja außerdem das Geld, um am sozialen Leben teilzunehmen. Kino, Theater, Museum, Sportverein, Einkaufsbummel oder Restaurantbesuch – das alles können sie sich kaum leisten.“
Vor allem in den westlichen Bundesländern beziehen Frauen eine deutlich niedrigere Rente als Männer. In Hessen zum Beispiel beläuft sich die Differenz auf nahezu 500 Euro im Monat. Während hessische Rentnerinnen im Schnitt 1.468 Euro bekommen, werden Rentnern in jedem Monat 1.957 Euro von der Deutschen Rentenversicherung auf ihr Konto überwiesen. In Thüringen ist der Abstand kleiner: Rentner erhalten im Freistaat durchschnittlich 1.696 Euro, Rentnerinnen 1.467 Euro. Zum Vergleich: Die Armutsschwelle liegt bei 1.381 Euro.
Der Unterschied beim Alterseinkommen hat zur Folge, dass 13 Prozent mehr Frauen als Männer Grundsicherung im Alter beantragen. „Schwerer wiegt, dass wir gerade bei dieser Sozialleistung mit einer hohen Dunkelziffer rechnen müssen“, sagt Sonja Franz. Der 7. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung von 2025 geht davon aus, dass bis zu 80 Prozent der Berechtigten die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nicht in Anspruch nehmen.
Zum Internationalen Frauentag am 8. März fordert der VdK, die Benachteiligung von Frauen endlich zu beenden. „Altersarmut ist häufig die Folge einer lebenslangen Ungleichheit zwischen den Geschlechtern. Frauen werden immer noch für dieselbe Arbeitsleistung schlechter bezahlt als Männer und haben weniger Chancen auf einen beruflichen Aufstieg. Im Gegenzug sind sie in einem viel höheren Maß als ihre Partner, Brüder oder Kollegen gefordert, wenn es darum geht, den Haushalt zu führen, Kinder zu erziehen und Angehörige zu pflegen“, sagt die VdK-Landesfrauenvertreterin. Durch die Doppelbelastung von Familie und Beruf arbeiten Frauen in der Regel mehr als Männer. „Dass sie dafür im Alter mit einem geringeren Einkommen bestraft werden und in vielen Fällen sogar von Armut bedroht sind, darf von uns nicht länger hingenommen werden“, so Sonja Franz.