Nicht genug für alle
Die Tafeln in Hessen haben ein Problem: Die Lebensmittelspenden werden weniger, während die Zahl derjenigen, die auf diese Spenden angewiesen sind, steigt. Die Folge: Immer häufiger müssen Menschen abgewiesen werden.

“Aufgrund der Lebensmittelknappheit werden bis auf Weiteres keine Neukunden an den Ausgabestellen angenommen. Keine Ausnahmen!”
So steht es in roter Schrift auf der Homepage der Tafel Frankfurt. Etwa jede dritte der insgesamt 58 Tafeln in Hessen hat zurzeit einen solchen Aufnahmestopp verhängt, jede zweite Einrichtung eine Warteliste für Neuaufnahmen eingerichtet.
Gestiegene Lebenshaltungskosten
Seit Ausbruch des Ukrainekriegs hat sich die Zahl der registrierten Kunden und Kundinnen verdoppelt. Insgesamt waren 2025 nach Angaben der Deutschen Presseagentur (dpa) 110.000 Personen bei den hessischen Tafeln registriert, darunter auch 20.000 Kinder. Dabei handelt es sich keineswegs nur um Kriegsflüchtlinge. Die in den vergangenen drei Jahren erheblich gestiegenen Kosten für Lebensmittel und Energie machen es auch vielen Rentnerinnen und Rentnern unmöglich, mit ihrem Geld über die Runden zu kommen.
Spenden gehen stark zurück
Gleichzeitig stellen die hessischen Tafeln einen spürbaren Rückgang bei den Lebensmittelspenden fest. Schätzungsweise beläuft sich dieses Defizit auf 30 Prozent. Grund: Im Lebensmittelhandel wird bei den bestellten Mengen mittlerweile strenger und genauer kalkuliert, mit der Folge, dass am Ende weniger übrigbleibt, was sich noch an die Tafeln weitergeben ließe. Zudem haben einige Supermarktketten eigene karitative Projekte gestartet wie zum Beispiel die “Rettertüten” mit einer kleinen Auswahl an Produkten, die die Kundinnen und Kunden zusätzlich kaufen und dann sofort wieder spenden können.
Praktizierte Wohltätigkeit
Tafeln in Hessen gibt es seit 2015. Ihrem Selbstverständnis nach sind sie eine neue soziale Bewegung, die praktizierte Wohltätigkeit (ehrenamtliches Engagement) mit der Wohlfahrtspflege für bedürftige Menschen verbindet. Tafeln arbeiten als eigenständige Organisationen und werden dabei in Hessen von rund 6.500 Ehrenamtlichen unterstützt. Auch wenn sie dazu beitragen, deren negative Folgen zu lindern, sehen sie vorrangig den Staat in der Pflicht, Armut zu verhindern und die Daseinsvorsorge für alle Bürgerinnen und Bürger zu sichern.