Kategorie Klima & Mobilität Gesundheit

Arme Menschen leiden stärker unter Hitze

Hohe Temperaturen belasten sozial benachteiligte Menschen deutlich mehr als Wohlhabende. Eine entscheidende Rolle dabei spielen die Wohnverhältnisse sowie die allgemeine Gesundheit.

Ein Thermometer vor blauem Himmel zeigt 40 Grad an
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Hitze verstärkt Gesundheitsprobleme

Bei Hitze sind Menschen, die mit einem kleinen Budget auskommen müssen, in mehrfacher Hinsicht stärker belastet als Gutverdiener. Die für sie bezahlbaren Wohnungen bieten oft keinen ausreichenden Schutz vor Hitze. Sie liegen in der Regel in Wohnvierteln mit vielen Häuserblocks, in denen sich die Hitze staut, die aber kaum Grünanlagen haben – und Bewohnerinnen und Bewohnern damit auch keine Möglichkeit lassen, sich aus einer überhitzten Wohnung nach draußen an einen kühlen Ort zu flüchten. Gutverdiener hingegen können sich eine qualitativ besser ausgestattete, womöglich klimatisierte Wohnung leisten – in einem Viertel mit Grünflächen und Parks, die bei Bedarf schnell erreichbar sind und Schatten spenden. 

Hinzu kommt: Ihr allgemeiner Gesundheitszustand ist häufig besser als der armer Menschen, denen das Geld für zusätzliche Medikamente sowie eine gesunde Ernährung und Lebensführung fehlt. Eine Vorbelastung wie Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems oder Diabetes stellt jedoch bei Hitze ein zusätzliches Risiko dar – insbesondere, wenn noch altersbedingt gesundheitliche Probleme bestehen. 

Wohnungen in enger Stadtlage werden zur Hitzefalle

Die Wohnverhältnisse können beträchtlichen Einfluss auf die Hitzebelastung haben. So erfüllt nach Angaben von Experten mehr als ein Drittel des Gebäudebestands in Deutschland die heutigen energetischen Mindeststandards – etwa Dämmung und Isolierverglasung – nicht. Gut isolierte oder sogar mit einem Klimagerät ausgestattete Wohnungen bleiben Menschen vorbehalten, die sich diese auch leisten können. 

Wenn eine preiswerte, aber schlecht isolierte Wohnung, die möglicherweise noch nicht einmal Rollos zur Verschattung hat, unerträglich heiß wird und es für die Bewohner in ihrem Umfeld keine kühlen Schattenplätze gibt, steigt die Hitzebelastung für sie mit jedem Tag. Dabei können nach dem Umweltbundesamt schon einzelne heiße Tage - wenn auch nachts keine Abkühlung erfolgt - zu einer Erhöhung der Sterblichkeit führen.

Sommerliche Hitze: So bleiben Sie cool

Schon ein heißer Tag ohne nächtliche Abkühlung kann Experten zufolge die Gesundheit ernsthaft belasten. Externer Link:Mit den folgenden Tipps bleiben Sie und Ihre Angehörigen auch im Sommer gesund!

Vulnerable Gruppen

Ein noch höheres Risiko als für die übrige Bevölkerung stellen Temperaturen über 30 Grad für Ältere, Kranke, Pflegebedürftige oder Menschen mit Einschränkungen dar. So waren zum Beispiel nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts mehr als die Hälfte der knapp 10.000 Hitzeopfer in Deutschland in diesem Jahr älter als 85 Jahre. 

Es fehlt an für alle leicht zugänglichen Informationen, um sich selbst, hilfebedürftige Angehörige oder nahestehende Menschen schützen zu können. Was muss etwa bei der Einnahme von Medikamenten beachtet werden? Wie sollten Arzneimitteln gelagert werden? Welche Beschwerden können auf eine Hitzeerkrankung hinweisen und bei welchen Symptomen sollte man umgehend den Rettungsdienst rufen, weil es sich möglicherweise um einen lebensbedrohlichen Hitzeschlag handelt?

Ein positives Beispiel für eine niedrigschwellige Unterstützung gerade für ältere Bürgerinnen und Bürger ist das “Hitzetelefon Sonnenschirm”, das auch das Gesundheitsamt der Region Kassel anbietet. 

Mit Sorge sieht der VdK, dass selbst nicht alle Pflegeeinrichtungen und Kliniken – vor allem ältere Gebäude ohne Klimaanlage – ausreichend auf extreme Hitze vorbereitet sind. Wir würden uns in dem Zusammenhang flächendeckend kommunale Hitzeaktionspläne und einrichtungsbezogene Hitzeschutzpläne wünschen, die – wenn notwendig – bauliche Maßnahmen und Schulungen für das Personal umfassen. In vielen größeren Städten gibt es solche Pläne bereits. 

VdK fordert: Jetzt Schutzmaßnahmen ergreifen!

Infolge des Klimawandels werden die Phasen extremer Hitze in Zukunft weiter zunehmen. Wir als VdK wünschen uns entsprechende Schutzmaßnahmen überall dort, wo es jetzt noch daran fehlt, konkret: mehr schattenspendende Begrünung, öffentliche Trinkwasserbrunnen und kühle Rückzugsräume. 

Sozial ausgewogene Klimaanpassungen im Wohnbereich wären durch bessere Förder- und Kreditmöglichkeiten für energetische Sanierung auch für ältere Eigentümer, gezielte Unterstützung von Mieterinnen und Mietern in belasteten Wohnlagen sowie verbindliche Vorgaben und Anreize für Vermieter zur hitzesicheren und bezahlbaren Gebäudesanierung zu erreichen.

In Pflegeeinrichtungen, Kitas, Schulen und Krankenhäusern sind für den VdK eine klimafreundliche Kühlung und barrierefreie Kühlräume unerlässlich. Eine sinnvolle Ergänzung in der ambulanten Pflege bilden gezielte Schutzkonzepte für Pflegebedürftige und eine engere Betreuung an Hitzetagen durch Pflegedienste.