
Verbände fordern verlässliche Bundesmittel für barrierereduzierende Umbauten
KfWkurz fürKreditanstalt für Wiederaufbau-Programm 455-B seit Ende Juli ausgeschöpft – sieben Verbände aus Wohnen, Seniorenvertretung, Sozialbereich und Industrie fordern einen kurzfristigen Neustart, eine verlässliche Finanzierung ab 2027 und eine dauerhafte Verankerung der Barrierereduzierung in der Wohnraum- und Sanierungsförderung.
Sieben Verbände aus den Bereichen Wohnen, Seniorenvertretung, Soziales und Industrie, darunter der Sozialverband VdK Deutschland, fordern Bundesregierung und Bundestag auf, die Förderung barrierereduzierender Umbauten im Wohnungsbestand verlässlich zu sichern. Das KfWkurz fürKreditanstalt für Wiederaufbau-Programm „Altersgerecht Umbauen – Barrierereduzierung“ (455-B) soll kurzfristig wieder anlaufen und im Bundeshaushalt 2027 mit ausreichenden Mitteln ausgestattet werden. Die für 2026 bereitgestellten 50 Millionen Euro waren bereits am 30. Juli ausgeschöpft. Dies zeigt, dass der Bedarf deutlich über dem bisherigen Fördervolumen liegt.
Ziel der gemeinsamen Initiative ist es, mehr Menschen ein selbstbestimmtes Wohnen im vertrauten Umfeld zu ermöglichen. Dafür müssen notwendige Umbauten im bestehenden Wohnraum planbar und finanzierbar sein. Eine verlässliche Förderung hilft Eigentümern und Mietern, schafft Planungssicherheit und kann dazu beitragen, vorzeitige Umzüge oder kostenintensive Pflegeheimaufenthalte zu vermeiden.
Großer Bedarf im Wohnungsbestand
Nach Angaben des GdW fehlen in Deutschland bis zu 2,5 Millionen barrierefreie Wohnungen. Hinzu kommt ein erheblicher Anpassungsbedarf in den rund 13,5 Millionen Ein- und 2,8 Millionen Zweifamilienhäusern. Etwa jede siebte Person ist dauerhaft durch gesundheitliche Einschränkungen oder Behinderungen in ihrer Mobilität beeinträchtigt; rund 7,8 Millionen Menschen leben mit einer Behinderung. Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil mobilitätseingeschränkter Menschen deutlich. Der barrierereduzierende Umbau des Wohnungsbestands ist daher eine gemeinsame wohnungs-, bau-, sozial-, gesundheits- und haushaltspolitische Aufgabe.
Gemeinsame Forderungen an Bund und Bundestag
- Kurzfristiger Neustart: Für barrierereduzierende Maßnahmen müssen zeitnah wieder Bundesmittel zur Verfügung stehen und neue Anträge im KfW-Programm 455-B möglich werden.
- Verlässliche Finanzierung ab 2027: Der Bundeshaushalt 2027 muss eine belastbare Mittelausstattung vorsehen, damit Haushalte, Eigentümer und ausführende Unternehmen Planungssicherheit erhalten.
- Verankerung in bestehenden Förderstrukturen: Barrierefreiheit sollte als eigenständiges Fördermodul in der Wohnraum- und Sanierungsförderung berücksichtigt werden. Es geht nicht um neue Parallelstrukturen, sondern um eine klare Priorität innerhalb der bestehenden Förderarchitektur.
- Steuerliche Flankierung: Die Erweiterung des § 35c EStG um Maßnahmen zur Barrierereduzierung kann insbesondere selbstnutzende Eigentümer zu Investitionen mobilisieren.
- Sozial ausgewogener Zugang: Haushalte mit niedrigen Einkommen und geringen Rücklagen benötigen besondere Unterstützung. Zudem müssen eine verlässliche Vorfinanzierung und ein diskriminierungsfreier Kreditzugang für ältere Menschen sichergestellt werden.
Barrierereduzierende Maßnahmen lassen sich im Wohnungsbestand häufig sinnvoll mit ohnehin anstehenden Modernisierungen und energetischen Sanierungen verbinden. Eine verlässliche Förderkulisse kann zusätzliche Investitionen auslösen, Belastungen für Betroffene reduzieren und langfristig auch die sozialen Sicherungssysteme entlasten.
Haushaltsberatungen für den Wohnbestand nutzen
Mit ihrem gemeinsamen Verbändebrief wenden sich die Organisationen an das Bundesministerium der Finanzen, das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und das Bundesministerium für Gesundheit sowie an die zuständigen Ausschüsse des Deutschen Bundestages. Sie appellieren an Bundesregierung und Bundestag, in den Haushaltsberatungen die erforderlichen Mittel bereitzustellen, das Programm 455-B kurzfristig wieder anlaufen zu lassen und die Barrierereduzierung im Wohnungsbestand dauerhaft in der Förderpolitik zu berücksichtigen.
Unterzeichnende Organisationen
- BAG Wohnungsanpassung e. V.
- Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen e. V. (BAGSO)
- Sozialverband Deutschland (SoVD)
- Sozialverband VdK Deutschland e. V.
- VDMA Fachverband Aufzüge und Fahrtreppen
- Verband Wohneigentum e. V.
- Wohnen im Eigentum – Die Wohneigentümer e. V.
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