VdK: Hitzeschutz muss verbindlich in Gesundheits-, Sozial- und Klimapolitik verankert werden
Alarmierender Höchststand: Das Robert Koch-Institut (RKI) schätzt die hitzebedingten Todesfälle in Deutschland bis Mitte August auf etwa 15.800. Der Sozialverband VdK Hessen-Thüringen fordert wirksame Maßnahmen zum Hitzeschutz.

Der Verband sieht die Kommunen, aber auch Bundes- und Landespolitik in der Pflicht.
Den bisher höchsten Wert hatte das RKI 2018 mit bundesweit 9500 Hitzetoten registriert. Im aktuellen Sommer starben nach RKI-Schätzung in Hessen 2190 Menschen an den Folgen der Hitze, in Thüringen rund 290. In den meisten Fällen führte nach Angaben der Experten eine Kombination aus Hitze und bereits bestehenden Vorerkrankungen zum Tod. Dabei entfallen 75 Prozent der hitzebedingten Sterbefälle auf die Altersgruppen ab 75 Jahren.
Zu einem Gesundheitsrisiko können hohe Temperaturen aber nicht nur für Ältere, sondern auch für chronisch Kranke, Menschen mit Einschränkungen und Pflegebedürftige werden. „Viel zu oft sind Menschen in Hitzephasen auf sich gestellt“, sagt der VdK-Landesvorsitzende Paul Weimann. Hitze treffe zudem nicht alle Menschen gleichermaßen.
Wohnungslose Menschen und Haushalte mit kleinem Budget sind Studien zufolge in mehrfacher Hinsicht stärker belastet als Gutverdiener, die sich eine besser ausgestattete Wohnung leisten können – in einem Viertel mit Schatten spendenden Grünanlagen. Hinzu kommt: Ihr allgemeiner Gesundheitszustand ist oft besser als der armer Menschen, denen das Geld für zusätzliche Medikamente, für eine gesunde Ernährung und Lebensführung fehlt.
Wichtig sei, die Kommunen finanziell in die Lage zu versetzen, effektive Maßnahmen zum Hitzeschutz umzusetzen, so Weimann. „Wir brauchen flächendeckend kommunale Hitzeaktions- und Hitzeschutzpläne, etwa für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen“, fordert der VdK-Landesvorsitzende.
Erforderlich seien unter anderem freiwillige Hitzeregister, um besonders gefährdete Menschen in Hitzeperioden besser zu erreichen. Außerdem müssten Personen, die sich einen teuren Hitzeschutz für ihre Wohnung nicht leisten können, eine entsprechende Förderung erhalten. Die Einrichtung öffentlicher kühler Räume sollte es jedem ermöglichen, bei extrem hohen Temperaturen Zuflucht zu finden. „Ziel muss es sein, alle Menschen wirksam vor Hitze zu schützen, unabhängig vom Einkommen, der Wohnsituation und der Gesundheit“, sagt Paul Weimann.