Tatort Telefon: „Schockanrufe“ in Hessen nehmen zu
Der VdK Hessen-Thüringen warnt: Mit immer raffinierteren Maschen versuchen Telefonbetrüger, ihre meist älteren Opfer um ihr Vermögen zu bringen. Aktuelle Zahlen aus Hessen sind besorgniserregend.

Mit Sorge sieht der Sozialverband VdK Hessen-Thüringen, wie skrupellose Kriminelle regelmäßig versuchen, arglose Menschen am Telefon um ihr Hab und Gut zu bringen. „Die Machenschaften der Betrüger verunsichern auch unsere Mitglieder zunehmend. Wir greifen das Thema daher oft vor Ort in sehr gut besuchten Informationsveranstaltungen auf“, sagt der Landesvorsitzende Paul Weimann. Eine besonders perfide Methode: der Schockanruf.
Für das Jahr 2025 erfasste die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) des Hessischen Landeskriminalamts (HLKA) 228 Fälle insgesamt, Tendenz steigend. Zudem geht das HLKA von einer hohen Dunkelziffer aus: Die Opfer erstatteten zum Teil aus Scham keine Anzeige und gescheiterte Betrugsversuche würden nicht immer gemeldet. Den Schaden für die Opfer bezifferte die PKS auf fast 4,6 Millionen Euro in 2025.
Dem HLKA zufolge handelt es sich um „seniorenspezifische“ Straftaten: Das Alter der Geschädigten belaufe sich meist auf weit über 60 Jahre, dabei seien Frauen häufiger betroffen als Männer. Eine aus mehreren Beteiligten bestehende Bande tätige bis zu 150 Anrufe am Tag, so Ermittler der Frankfurter Kriminalpolizei − bis sie Erfolg habe. Um ihrem verbrecherischen Vorgehen einen Riegel vorzuschieben und die Bevölkerung aufzuklären, hat die Polizei verstärkt Informationskampagnen gestartet.
So erläutern etwa die Experten der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes die Arbeitsweise der Täter: Diese setzten ihre Opfer mit erschreckenden Geschichten unter starken Druck, um sie dazu zu bewegen, Bargeld, Gold oder Schmuck herauszugeben. Sie behaupteten etwa, mit ihrem Opfer verwandt oder gut bekannt zu sein, und täuschten Notsituationen vor.
So würde der vermeintliche Sohn oder die vermeintliche Tochter zum Beispiel vorgeben, einen schweren oder tödlichen Unfall verursacht zu haben und nur durch eine Kaution in Form von Bargeld oder anderen Wertgegenständen verhindern zu können, in Haft zu gehen. In einer anderen Version der Masche verlangen die Anrufer Geld für eine lebenserhaltende Operation.
Die Polizeiliche Kriminalprävention stellt klar: Die Geschichten seien erfunden und würden vielfältig angepasst. Dabei reagierten die Betrüger flexibel auf die Lebensbedingungen ihrer Opfer, um ihr Ziel zu erreichen. Zugleich versuchten die Kriminellen bei einem Anruf per Handy, den Betroffenen keine Möglichkeit zu geben, mit jemandem außerhalb der Situation zu sprechen. Dazu hielten sie ihre Opfer bis zur Übergabe der Beute in der Leitung und in einem Schockzustand.
Empfehlungen der Experten
- Beenden Sie sofort das Gespräch: Die Polizei oder andere Amtsträger fordern niemals dazu auf, Bargeld oder Wertgegenstände auszuhändigen.
- Kontaktieren Sie Ihre tatsächlichen Angehörigen oder Freunde unter der Ihnen bekannten Telefonnummer.
- Geben Sie niemals Informationen über persönliche und finanzielle Verhältnisse preis.
- Informieren Sie die Polizei unter 110 über den verdächtigen Anruf.
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Informieren Sie die Polizei auch, wenn Sie Opfer geworden sind
Weitere Tipps und Informationen hält die Polizeiliche Kriminalprävention auf ihrer Website (Externer Link:www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/betrug/schockanrufe/) bereit. Da die Betrüger die Kontaktdaten ihrer Opfer oft Telefonbüchern oder elektronischen Telefonverzeichnissen entnehmen, wird dort zum Beispiel ein Formular zum Herunterladen angeboten, um den Vornamen im Telefonbucheintrag entfernen oder kürzen oder den gesamten Eintrag streichen zu lassen.
Als Betroffene oder Betroffener können Sie sich bei Bedarf ebenso an Opferberatungsstellen wenden, etwa den „Weißen Ring“ (Externer Link:https://weisser-ring.de/Telefonbetrug).