Kategorie Frauen Gleichberechtigung

Schichtwechsel statt Feierabend

Zum Muttertag erinnert der VdK an die ständige Doppelbelastung von Frauen durch Beruf und Familie und fordert, diese Leistung mehr zu würdigen.

Eine Frau sitzt mit ihrem Kind vor einem Computer
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Am kommenden Sonntag ist Muttertag. Anlass für den VdK, auf die große Arbeitsleistung von Frauen hinzuweisen und ihren wichtigen Beitrag für das Funktionieren und den Zusammenhalt unserer Gesellschaft zu würdigen – in der Berufswelt genauso wie im Privaten. „80 Prozent der Beschäftigten im Gesundheitswesen und in der frühkindlichen Erziehung und Bildung sind Frauen, 82 Prozent der alleinerziehenden Eltern sind Frauen genauso wie 70 Prozent aller pflegenden Angehörigen“, sagt Sonja Franz, Landesfrauenvertreterin des Sozialverbands VdK Hessen-Thüringen: „Überall dort, wo Fürsorge, Verantwortung, Einfühlungsvermögen, Kraft und Geduld gefordert sind, treffen wir vorrangig Frauen an. Aber für diesen Einsatz zahlen die meisten von ihnen einen hohen Preis.“  

Fehlende Angebote in der Kinderbetreuung und der Tagespflege sowie die ungleiche Verteilung familiärer Pflichten in Paarbeziehungen hindern eine große Gruppe von berufstätigen Frauen daran, einer Vollzeittätigkeit nachzugehen, was zu erheblichen Einkommenseinbußen führt und das Risiko, den Lebensabend in Altersarmut zubringen zu müssen, stark erhöht. Hinzu kommt die mangelnde Bereitschaft vieler Arbeitgeber, Betriebsabläufe familienfreundlicher zu organisieren. Laut einer Umfrage im Auftrag des Bundesfamilienministeriums würden 45 Prozent der berufstätigen Mütter sofort ihre Stundenzahl erhöhen, wenn man ihnen ein flexibleres Arbeiten ermöglichen würde. 

Zum Muttertag am 10. Mai fordert der VdK dazu auf, die von Frauen Tag für Tag erbrachte Leistung mehr zu sehen und nicht länger als selbstverständlich hinzunehmen. Außerdem müssen durch eine bessere Kinderbetreuung, mehr Angebote in der Tagespflege und ein größeres Entgegenkommen auf Seiten der Unternehmensleitungen die Rahmenbedingungen verbessert werden, damit Mütter und pflegende Angehörige mehr Freiräume haben, Beruf und Familie in Einklang zu bringen, ohne dafür mit Überlastung bei gleichzeitigem Lohnverzicht bezahlen zu müssen. 

In Anbetracht der aktuellen Debatte über Teilzeit hebt die VdK-Landesfrauenvertreterin außerdem hervor, dass „Frauen meist nicht weniger, sondern mehr als 100 Prozent arbeiten, wenn man ihren gesamten Alltag betrachtet. Nach Hause zu kommen bedeutet für sie in der Regel nicht Feierabend, sondern Schichtwechsel. Auf die Lohnarbeit folgt die unbezahlte Care-Arbeit“, erklärt Sonja Franz: „Daran wird sich erst etwas ändern, wenn die Partner bereit sind, sich gleichberechtigt an Haushalt, Kindererziehung und Pflege zu beteiligen. Dann bräuchten wir auch keinen Muttertag mehr, um den Frauen einmal im Jahr dafür zu danken, dass sie das alles vorwiegend alleine meistern.“