Psychische Gesundheit im Job besser schützen und fördern
Zum Welttag für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz am 28. April betont der VdK: Richtiger Umgang mit mentalen Problemen und Prävention ist entscheidend!

Demografischer Wandel, fortschreitende Digitalisierung, wirtschaftliche Unsicherheit: Die Arbeitswelt verändert sich derzeit rasant, die Anforderungen an die Beschäftigten steigen. Angesichts dieser Entwicklung umfasst moderner Arbeitsschutz mehr als die Verhütung von Unfällen im Betrieb: In der Verantwortung der Arbeitgeber liegt es im Rahmen ihrer Fürsorgepflicht, eine sichere und gesunde Arbeitsumgebung zu schaffen. Entscheidend dabei ist es für den Sozialverband VdK Hessen-Thüringen, eine nach § 5 Abs. 3 Nr. 6 Arbeitsschutzgesetz vorgeschriebene sogenannte Gefährdungsbeurteilung im Betrieb durchzuführen, die die psychische Belastung der Beschäftigten berücksichtigt.
„Der richtige Umgang mit psychosozialen Risiken im Arbeitsumfeld und deren Prävention ist zum einen wichtig für die Mitarbeitenden. Zudem hat er eine volkswirtschaftliche Komponente: Die mentale Gesundheit der Beschäftigten ist unverzichtbar für Wohlbefinden und Motivation – und damit für ihre Leistungsfähigkeit und den Unternehmenserfolg“, sagt der VdK-Landesvorsitzende Paul Weimann zum Welttag für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz am 28. April.
Ein wesentlicher Aspekt auch im Hinblick auf den Fachkräftemangel: Psychische Erkrankungen bilden seit geraumer Zeit eine der häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit. Nach der DAKkurz fürDAK-Gesundheit-Krankenstands-Analyse 2025 sind sie mit einem Plus von 6,9 Prozent im Vergleich zu 2024 der zweitwichtigste Grund für krankheitsbedingte Ausfälle im Job – mit rund 366 Fehltagen pro 100 Beschäftigten. Das kann im schlimmsten Fall den Ausstieg aus dem Berufsleben bedeuten: Die in Deutschland 2023 und 2024 bewilligten Erwerbsminderungsrenten wurden zu mehr als 40 Prozent aufgrund psychischer Probleme gewährt, damit hat sich deren Anteil seit dem Jahr 2000 nahezu verdoppelt.
Wo es hakt, zeigt das „DGUV Barometer Arbeitswelt 2026“ der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. Als bei der Arbeit belastend nennt die Hälfte der für das repräsentative Panel befragten 2015 Erwerbstätigen etwa die Arbeitsorganisation, genauer: Stress durch häufige Unterbrechungen, hohe Arbeitsintensität oder unklare Zuständigkeiten. Arbeitsinhalte und -aufgaben belasten demnach ein Drittel der Befragten, zum Beispiel in Form fehlender Handlungsspielräume oder mangelnder Anerkennung. Ein Fünftel wiederum fühlt sich dem DGUV Barometer Arbeitswelt zufolge durch fehlende Pausenzeiten und wenig Spielraum bei der Arbeitszeitgestaltung unter Druck.
All diese Faktoren können seelische Probleme auslösen oder verstärken. „Psychische Belastungen am Arbeitsplatz müssen wahr- und ernstgenommen und ausreichende Schutzmaßnahmen ergriffen werden, damit mentale Probleme bestenfalls gar nicht erst entstehen“, betont Weimann. Grundlage dafür sei ein vertrauensvolles Klima im Unternehmen. Zudem seien entsprechende Schulungen für Führungskräfte eine gute Option, um psychische Probleme frühzeitig erkennen und gegensteuern zu können.
Ebenso wichtig sind aktuelle Informationen und eine praktische Hilfestellung, wie sie das Referat Betriebsarbeit des VdK Hessen-Thüringen für die Schwerbehindertenvertretungen in Betrieben und Behörden anbietet. Ihnen hat das Referat 2025 im Rahmen von 160 Veranstaltungen mit Wissen und beratend zur Seite gestanden. Dass wachsender Bedarf besteht, belegen die 6.230 Schwerbehindertenvertrauenspersonen in Hessen und Thüringen, die das Angebot des VdK im vergangenen Jahr genutzt haben – fast 1.000 mehr als 2024.