Durch geplante Kürzung beim Wohngeld droht Menschen mit geringem Einkommen Obdachlosigkeit
Ein Drittel der Haushalte, die bisher Wohngeld bezogen haben, sollen ihren Anspruch verlieren: VdK fordert deutlichen Ausbau des sozialen Wohnungsbaus – aktuelle Zahlen belegen den Bedarf
Nach heute veröffentlichten Zahlen des Statistischen Landesamtes bezogen Ende 2025 rund 86.400 Haushalte in Hessen Wohngeld – ein Plus von fast 10 Prozent (7800 Haushalte) im Vergleich zum Vorjahr. Der durchschnittliche Anspruch lag 2025 bei 339 Euro (2024: 332 Euro) monatlich. Fast die Hälfte der betroffenen Haushalte bestand der Statistik zufolge aus nur einer Person; in etwa 50 Prozent der reinen Wohngeld-Haushalte – in denen alle Haushaltsmitglieder die Leistung beziehen – lebten in vergangenen Jahr Rentnerinnen oder Rentner.
Bundesbauministerin Verena Hubertz hat nun massive Sparmaßnahmen angekündigt. Die Ausgaben für Wohngeld sollen von bisher fünf auf drei Milliarden Euro im Jahr gekürzt werden, Bund und Länder müssen demnach je eine Milliarde Euro einsparen. Ein Drittel der aktuell anspruchsberechtigten Haushalte werde aus dem Raster fallen, wird die Ministerin in den Medien zitiert. Die vorgesehenen Kürzungen lassen den positiven Effekt des erst zum Januar 2023 in Kraft getretenen Wohngeld-Plus-Gesetzes verpuffen: 1,4 Millionen Haushalte wurden wieder oder erstmalig wohngeldberechtigt, zugleich stieg die Leistung durch die Änderung im Durchschnitt um rund 190 Euro im Monat.
„Unverzichtbare Unterstützung“
Der Sozialverband VdK Hessen-Thüringen sieht die Kürzungsvorschläge mit großer Sorge. „Angesichts des sich zuspitzenden Mangels an bezahlbarem Wohnraum ist das Wohngeld eine unverzichtbare Unterstützung für viele Haushalte mit geringem Einkommen“, sagt der VdK-Landesvorsitzende Paul Weimann. Schon jetzt muss dem Deutschen Mieterbund zufolge ein Drittel der Mieterhaushalte in Deutschland für Kaltmiete und Heizkosten mehr als 40 Prozent seines Einkommens ausgeben – und ist durch die hohen Wohnkosten deutlich überlastet.
„Durch einen Wegfall der staatlichen Unterstützung zu den Wohnkosten drohen insbesondere Menschen, deren Einkommen bislang gerade noch zum Leben ausreichte, in die Armut abzurutschen und schlimmstenfalls in die Obdachlosigkeit“, warnt Paul Weimann. Eine Rückkehr in den regulären Wohnungsmarkt sei dann ohne Hilfe kaum möglich, die Kosten für entsprechende Wiedereingliederungsmaßnahmen eine neue Herausforderung, die die Kommunen stemmen müssten.
Sozialen Wohnungsbau verstärken
Eine aktuelle Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Hessen bestätigt: Würden die Wohnkosten berücksichtigt, seien in Hessen 22,7 Prozent der Menschen armutsgefährdet, während sich nach konventioneller Berechnung nach Einkommen und ohne Einbeziehung der Mietkosten eine Armutsquote von 15,5 Prozent ergebe. „Die Versorgung mit Wohnraum ist ein Grundrecht und ein wesentlicher Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge“, so der VdK-Landesvorsitzende.
Weimann plädiert in diesem Sinne für eine deutliche Ausweitung des sozialen Wohnungsbaus. Laut dem „Sozialen Wohn-Monitor 2026“ des Pestel Instituts gab es in Hessen Ende 2024 rund 83.000 Sozialwohnungen, nach Einschätzung der Experten werden bis 2035 jedoch fast 141.000 gebraucht. Thüringen verfügt nach dem Ministerium für Digitales und Infrastruktur aktuell über etwas mehr als 11.000 Sozialwohnungen, im gesamten Jahr 2025 wurden im Freistaat keine neuen Sozialwohnungen gebaut. Bis 2035 werden dort laut Studie des Pestel Instituts aber 49.700 Sozialwohnungen benötigt.