Von Mensch zu Mensch

Pflegebedürftige in Pfungstadt können künftig auf mehr Unterstützung bauen: Der VdK organisiert ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe am Ort. 

Konzentrierte Zuhörer und Zuhörerinnen
Nachbarschaftshilfe schließt eine wichtige Lücke. Viele waren daher der Einladung des VdK gefolgt und wollten sich über das Projekt Nachbarschaftshilfe in Pfungstadt informieren. © Miriam Leonardy

Hilfe und Zusammenhalt vor Ort

Das Interesse an diesem Projekt ist groß. Das war auch bei der Auftaktveranstaltung zum Start der Nachbarschaftshilfe im südhessischen Pfungstadt (Landkreis Darmstadt-Dieburg) zu beobachten, zu der trotz glühender Sommerhitze viele Leute gekommen waren. Darunter auch Bürgermeister Maximilian Schimmel, der in seinem Grußwort erklärte: „Ich bin ein großer Fan dieser Idee.“ Pfungstadt sei immer dann am besten, wenn die Menschen zusammenstünden und aufeinander achtgäben. 

Zwei Jahre Vorbereitung

Und genau das soll mit der Nachbarschaftshilfe geschehen, wie Hans-Jürgen Wittig, VdK-Landesvorstandsmitglied und Vorsitzender des Ortsverbands Pfungstadt, in seinem Vortrag erläuterte. Wittig ist der Initiator der Nachbarschaftshilfe. Hinter ihm liegen zwei intensive Jahre, in denen er das Konzept entwickelt, die Zulassung der Nachbarschaftshilfe beantragt und Ehrenamtliche als Helfer und Helferinnen angeworben hat. Unterstützt wurde und wird Wittig dabei von Dominik Meyer, Referent für Kommunale Sozialpolitik im VdK Hessen-Thüringen, und Andreas Stauß, Vorsitzender des Ortsverbands Seeheim-Jugenheim mit langjähriger Erfahrung in der Pflegebranche. 

Wichtige Prävention

Mittlerweile haben sich 18 Interessierte gemeldet, die gerne in der Nachbarschaftshilfe tätig werden möchten. Die Zahl derjenigen, die diese Unterstützung in Anspruch nehmen möchten, ist noch größer. „Die professionellen Dienstleister decken nur ab, was zur Pflege im engeren Sinne dazugehört“, erläuterte Wittig. Für einfachere Haushaltstätigkeiten, nette Gespräche, Begleitung beim Arztbesuch oder einen gemeinsamen Spaziergang werden in Zukunft die Nachbarschaftshelferinnen und -helfer zuständig sein. Mit ihrer unkomplizierten, praktischen Hilfe „von Mensch zu Mensch“ – so auch der Name des Projekts – füllen sie nicht nur eine wichtige Versorgungslücke aus, sie begegnen auch der zunehmenden Einsamkeit insbesondere älterer Menschen und tragen mit dazu bei, dass diese ihre Selbstständigkeit länger bewahren und später pflegebedürftig werden. Insofern leistet dieses Projekt einen wichtigen Beitrag zur Prävention

Qualifizierung durch den VdK

Wer daran teilnimmt, erhält für seine Tätigkeit eine Aufwandsentschädigung in Höhe des Mindestlohns. Außerdem übernimmt es der VdK, die künftigen Helferinnen und Helfer in einem Kursus zu qualifizieren, in dem sie nicht nur, wie vom Land derzeit noch vorgeschrieben, eine Unterweisung in Erster Hilfe erhalten, sondern auch auf den etwaigen Umgang mit Demenz-Kranken oder Angehörigen vorbereitet werden. Regelmäßige Supervision gehört außerdem dazu. 

Projekt macht Schule

Spätestens im Herbst soll das Projekt starten. Wittig und seine Mitstreiter hoffen, dass der Funke überspringt und auch an anderen Orten funktionierende Nachbarschaftshilfen entstehen. Ihre Hoffnung ist nicht ganz unbegründet: Im Bad Schwalbach am Taunus ist der dortige Ortsverband bereits dabei, ein ähnliches Projekt auf die Beine zu stellen.