VdK befürchtet Zunahme sozialer Not
Zum Welttag für die Beseitigung von Armut am 17. Oktober fordert der Sozialverband VdK Hessen-Thüringen gezielte Maßnahmen zur Stärkung einkommensschwacher Haushalte und Familien.

Mit Sorge beobachtet der Sozialverband VdK Hessen-Thüringen, dass immer größere Teile der Gesellschaft von Armut bedroht sind.
Armutsgefährdung
2025 galten 13,3 Millionen Menschen in Deutschland als armutsgefährdet. Das entspricht einer Quote von 16,1 Prozent und damit einem Anstieg von 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Hessen liegt die Armutsgefährdungsquote bei 15,5, in Thüringen bei 15,7 Prozent. Als arm gilt, wer 60 Prozent oder weniger des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. 2025 lag dies für einen Ein-Personen-Haushalt bei 1.378 Euro.
Hohe Mieten
Hinzu kommen die hohen Mieten und steigenden Lebensmittel- und Energiepreise, durch die die Kaufkraft niedriger Einkommensgruppen zunehmend geschwächt wird. Immer mehr Menschen müssen über 40 oder gar 50 Prozent ihres Einkommens für Wohnkosten ausgeben. Der Paritätische hat Berechnungen angestellt, wie hoch die tatsächliche Armutsquote ausfällt, wenn man die Wohnkosten einbezieht. Dann läge sie in Hessen bei 23,7 und in Thüringen bei 20,9 Prozent.
Energiearmut
Nach Angaben des Bundesamts für Statistik leben 3,8 Millionen Menschen in Haushalten mit Zahlungsrückständen bei den Versorgungsbetrieben. Laut Bundesnetzagentur wurden im vergangenen Jahr 254.000 Strom- und 34.000 Gassperren verhängt, das sind etwa 8.500 mehr als im Vorjahr.
Kürzungen im Sozialetat
In Anbetracht der anstehenden Reformen befürchtet der VdK Hessen-Thüringen, dass sich die soziale Notlage noch weiter verschärfen wird. Ein Beispiel verdeutlicht das: Eine Seniorin mit kleiner Rente pflegt ihren kranken Ehemann. Ab dem 1. Januar 2027 muss das Paar höhere Eigenanteile für Medikamente und Hilfsmittel bezahlen. Falls dann noch wie geplant das Wohngeld gekürzt wird, könnte es sein, dass die beiden ihre Wohnung nicht mehr halten können oder im Winter frieren müssen, weil auch der Heizkostenzuschuss halbiert werden soll. Und sollte sich der Gesundheitszustand des Mannes verschlechtern, wird es schwierig, einen höheren Pflegegrad zu bekommen. Denn ab dem kommenden Jahr gelten schärfere Kriterien bei der Begutachtung. Das alles zusammen erhöht ihr Armutsrisiko erheblich.
Das fordert der VdK
Am Internationalen Tag für die Beseitigung von Armut fordert der VdK daher wirksame Maßnahmen zur Armutsprävention. An erster Stelle sind hier die Schaffung von mehr bezahlbarem Wohnraum und der Ausbau der Kinderbetreuung zu nennen. Der VdK kritisiert zudem, dass Entlastungen wie der soeben eingeführte Tankrabatt nicht gezielt nur einkommensschwachen Haushalten und Familien zugutekommen, sondern auch Wohlhabende oder Unternehmen, die ihren Mitarbeitenden Dienstwagen zur Verfügung stellen, davon profitieren.
Freibetrag erhöhen
Der VdK fordert insbesondere die Bekämpfung der Altersarmut. In der Generation 65plus ist jeder Fünfte – also mehr als in der Gesamtbevölkerung – von Armut bedroht. Deshalb begrüßt der VdK den Vorschlag der Rentenkommission, dass kleine gesetzliche Renten künftig nicht mehr vollständig auf die Grundsicherung angerechnet werden sollen. Das ermöglicht mehr Menschen den Zugang zur Sozialhilfe und damit die Chance auf einen Lebensabend in Würde, ohne Entbehrung, Verzicht und Not.