Kategorie Pflege

Umfrage zur Pflege in Hessen: Bürgerinnen und Bürger sagen deutlich, wo es hakt

Ihre persönlichen Pflege-Erfahrungen haben mehr als 3500 Menschen im Rahmen einer Online-Umfrage des Hessischen Gesundheitsministerium mitgeteilt. Ihre Antworten signalisieren dringenden Handlungsbedarf.

Älterer Mann sitzt auf der Couch, eine jüngere Frau umarmt ihn von hinten.
© iStock/seb_ra

Die nicht repräsentative digitale Befragung des Hessischen Ministeriums für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege "Hessen hört zu: Pflege – Was sagen Sie?" stand vom 17. November 2025 bis zum 17. Januar 2026 über das Externer Link:Beteiligungsportal Hessen zur Verfügung. Fast drei Viertel der Teilnehmenden sind zwischen 45 und 75 Jahre alt, weiblich und leben in einer ländlichen Region. Viele Teilnehmende haben persönliche Pflege-Erfahrung, 66,7 Prozent davon mit der Versorgung von Pflegebedürftigen zu Hause allein durch Angehörige, etwas mehr als 39 Prozent mit der Pflege in einem Heim.

Mehr Informationen gewünscht

Über 50 Prozent der Umfrageteilnehmenden haben schon einmal eine Pflegeberatung in Anspruch genommen, die meisten bei einem ambulanten Pflegedienst, einer Pflegekasse und - immerhin noch mehr als ein Drittel - bei einem Pflegestützpunkt. Viele sehen aber ihren Angaben zufolge dennoch Verbesserungsbedarf - in Form von transparenten und leicht verständlichen Informationen aus einer Hand über Abläufe/Verfahren in Zusammenhang mit Pflegebedürftigkeit, mögliche Leistungen und Unterstützungsangebote sowie den Anspruch auf diese.

Genauer: Mindestens die Hälfte wünscht sich mehr Übersicht über die Leistungen der Pflegeversicherung sowie mehr Informationen über ihren Anspruch auf Pflegeleistungen, zu wohnortnahen Anlaufstellen zur Pflegeberatung, zu Unterstützungsangeboten für pflegende Angehörige und zur Pflegeberatung allgemein.

Auch zum Verfahren zur Feststellung eines Pflegegrads (40 Prozent) und zu Angeboten an ambulanten Pflegediensten (35,7 Prozent) sowie zum betreuten Wohnen wären die Teilnehmenden an der Befragung gerne ausführlicher informiert. 

Verbesserungen in der Pflegeberatung willkommen

Bei den Teilnehmenden sehr gefragt ist ebenfalls eine auf die persönliche Situation abgestimmte Orientierungshilfe und Unterstützung für Betroffene: Mehr als 60 Prozent der Teilnehmenden sprechen sich für mehr Transparenz über zuständige Stellen und Behörden aus. Eine auf die individuelle Pflegesituation abgestimmte Beratung wollen knapp 58 Prozent.

Über die Hälfte der Befragten äußerten den Wunsch nach mehr Möglichkeiten für eine persönliche Beratung vor Ort oder zu Hause, mehr als 40 Prozent nach einer besseren Erreichbarkeit mit kürzeren Wartezeiten.

Zentrale Informationsplattform angekündigt

Der VdK begrüßt, dass das Ministerium mit der Veröffentlichung der Befragungsergebnisse angekündigt hat, eine neue zentrale Informationsplattform zur Vernetzung bestehender Pflege-Angebote in Hessen einzuführen, die übersichtlich alle wesentlichen Pflege-Angebote bereithält. 

Dieses Online-Angebot solle betroffenen Familien, die mit dem oft plötzlichen Eintritt eines Pflegefalls schon genug belastet seien, aus einer Hand Orientierung und Sicherheit geben, betonte Hessens Gesundheitsministerin Diana Stolz. Eine zeitnahe Umsetzung der Plattform wäre aus Sicht des VdK sehr wünschenswert.

VdK: Pflege muss kommunale Pflichtaufgabe werden

Pflege gehört aus Sicht des VdK zur Daseinsvorsorge. Sie muss vor Ort organisiert werden und zur kommunalen Pflichtaufgabe werden. Entsprechend sollten Kommunen dazu verpflichtet werden, vor Ort für eine funktionierende Pflegeinfrastruktur zu sorgen. Idealerweise greifen dabei familiäre, nachbarschaftliche und professionelle Formen der Hilfe ineinander und sichern so eine menschenwürdige Versorgung der Pflegebedürftigen.

Mit der Weiterentwicklung der Pflegestützpunkte zu Pflegekompetenzzentren mit mehreren Zweigstellen und aufsuchender Beratung sowie dem Einsatz von Gemeindepflegerinnen und -pflegern ist Hessen für den VdK auf einem guten Weg, aber noch nicht am Ziel. Zur Unterstützung pflegender Angehöriger ist insbesondere der Ausbau des Angebots an Plätzen in der Tages-, Nacht- und Kurzzeitpflege sowie der Sicherung eines niedrigschwelligen Zugangs zu Entlastungsangeboten für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen im Alltag - etwa der Nachbarschaftshilfe - erforderlich.