Kategorie Pflege zu Hause

Studie: Vermeidbare Infektionen in der Angehörigenpflege kosten Milliarden

Prävention statt Klinikaufenthalt: Experten haben ermittelt, wie wichtig - auch volkswirtschaftlich - niedrigschwellige Beratung, verbesserte Schulungsangebote und leichter Zugang zu Versorgungsstrukturen bei der Laienpflege sind. 

Ein älteres Paar in einer häuslichem Umgebung. Im Wohnzimmer steht ein Pflegebeet. Der Mann liegt auf einem Kopfkissen hochgebettet und wird von seiner Frau mit einem Löffel gefüttert. © IMAGO / Martin Wagner

Forschende der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg und der Thurn und Taxis Consulting haben in dem Rahmen eine Modellrechnung auf Basis von u. a. Befragungen, Interviews und ökonomischen Annahmen vorgenommen. Das Ergebnis: Unzureichende Hygiene und Infektionsschutz in der häuslichen Pflege durch Laien seien ein relevanter Risikofaktor für vermeidbare Infektionserkrankungen. Sie verursachten jährlich direkte und indirekte Kosten in Milliardenhöhe.

Mangelnde Unterstützung

Wissenslücken bei Hygiene und Infektionsschutz führen nach Einschätzung der Studienautoren zu einem erhöhten Risiko für Pneumonie, Harnwegsinfektionen, Sepsis oder Dekubitus, die häufig einen Krankenhausaufenthalt erforderlich machen. Oft verschlechtere eine Infektion die Pflegesituation dauerhaft, verbunden mit einem höheren Pflegegrad. Die direkten Kosten solcher hygieneassoziierter Komplikationen schätzt die Studie auf rund 6,1 Milliarden Euro jährlich.

Volkswirtschaftliche Auswirkungen

Hinzu kommen den Forschern zufolge indirekte volkswirtschaftliche Belastungen. Unter der Annahme, dass ein relevanter Anteil der pflegenden Angehörigen erwerbstätig ist und hygienebedingte Komplikationen zu zusätzlichen Fehlzeiten der Pflegenden führen, rechnet die Analyse mit jährlich rund 12 Millionen Ausfalltagen. Die daraus resultierenden indirekten Kosten durch Produktivitätsverluste werden auf etwa 2,7 Milliarden Euro geschätzt. 

Nach dem Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdOkurz fürWissenschaftliches Institut der AOK) sind 59 Prozent der pflegenden Angehörigen in Deutschland erwerbstätig. Davon arbeiten 31,3 Prozent in Vollzeit und 27,7 Prozent in Teilzeit. Von den in Teilzeit erwerbstätigen pflegenden Angehörigen gaben 45,2 Prozent an, ihre ursprüngliche Arbeitszeit aufgrund der Übernahme der Angehörigenpflege reduziert zu haben.