Kategorie Pflege Pflege im Heim

Pflege im Heim: Eigenanteil erreicht neues Rekordhoch

Bundesweit ist nach neuen Zahlen des Verbands der Ersatzkassen der Kostenanteil, den die Bewohnenden einer Pflegeeinrichtung selbst aufbringen müssen, weiter gestiegen. In Hessen ist die Versorgung im Heim sogar überdurchschnittlich teuer.

Älterer Mann mit schütterem Haar schaut in seinem Zimmer im Pflegeheim Richtung Fenster
© alvarez/iStock

Im Bundesdurchschnitt lag der selbst zu bestreitende Anteil an den Heimkosten zum 1. Juli bei 3364 Euro, ein Anstieg allein seit Januar 2026 um 119 Euro monatlich. Dabei bilden Pflege und Betreuung nur einen Teil des Betrags, den Heimbewohnerinnen und -bewohner selbst zahlen müssen. Hinzu kommen Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie Investitionen in den Einrichtungen und Ausbildungskosten hinzu. Wie die vdek-Auswertung zeigt, gibt es deutliche regionale Unterschiede. 

Heimplatz so teuer wie nie

In Hessen lebten Ende 2023 etwa 57.300 Pflegebedürftige in einer Heimeinrichtung. Für die stationäre Pflege wird dort nach Daten des Verbands der Ersatzkassen (vdek) nun im ersten Jahr durchschnittlich ein Eigenanteil in Höhe von 3431 Euro im Monat fällig (Stand 1. Juli). Das sind 202 Euro mehr als noch im Januar 2026 und ein Plus von 405 Euro im Vergleich zum Juli 2025. Hessen gehört damit - nach Bremen, Baden-Württemberg und Berlin - zu den Bundesländern mit den höchsten pflegebedingten Eigenanteilen.

In Thüringen wurden Ende 2023 24.385 Menschen in einem Heim versorgt. Erst im Januar 2026 hatte der durchschnittliche Eigenanteil für Pflegeheimbewohnende im Freistaat mit 3005 Euro monatlich erstmals die 3000-Euro-Marke überschritten. Jetzt liegen die Heimkosten, die Thüringer Pflegebedürftige im ersten Jahr selbst zu tragen haben, dem vdek zufolge bei 3163 Euro. Das sind 158 Euro mehr seit Jahresbeginn und 250 Euro mehr als noch im Juli 2025.

Zuschüsse sollen künftig später fließen

Um Pflegebedürftige im Heim vor finanzieller Überlastung zu schützen, waren die Zuschüsse der Pflegekassen für den Eigenanteil an den Pflege- und Ausbildungskosten erst zum 1. Januar 2024 erhöht worden: Der nach der Dauer des Heimaufenthalts gestaffelte Zuschuss beträgt aktuell 15 Prozent bei einem Aufenthalt von bis zu 12 Monaten und steigt bis auf 75 Prozent für Bewohner, die länger als 36 Monate in einem Heim leben. Die geplante Pflegereform der Bundesregierung sieht allerdings vor, diese Fristen künftig jeweils um sechs Monate zu verlängern. Den höchsten Zuschuss von 75 Prozent würden Heimbewohner demnach erst nach viereinhalb Jahren erhalten.

Immer mehr Heimbewohner auf Sozialhilfe angewiesen

Erst im März meldete eine Studie der DAKkurz fürDAK-Gesundheit Gesundheit einen traurigen historischen Höchststand: Demnach sind durch die massiv gestiegenen Eigenanteile immer mehr Bewohner und Bewohnerinnen von Pflegeheimen auf Sozialhilfeleistungen angewiesen, aktuell 37 Prozent. Nach den Berechnungen des Gesundheitsökonoms Prof. Heinz Rothgang könnte ihr Anteil nach geltendem Recht bis 2035 auf knapp 43 Prozent ansteigen. Ohne die Leistungszuschüsse läge die Sozialhilfequote von Heimbewohnenden der Analyse zufolge bereits jetzt bei 45 Prozent und bis 2032 bei über 50 Prozent.

Der VdK warnt seit Langem, dass die Pflege - ob vollstationär oder zu Hause - grundsätzlich nicht zur Armutsfalle werden darf. In diesem Sinne fordert der Verband von den Bundesländern, Pflegebedürftige in Heimen finanziell durch die Übernahme der im Eigenanteil enthaltenen Investitionskosten zu entlasten. Diese betragen laut vdek in Hessen zum 1. Juli 2026 528 Euro, in Thüringen 454 Euro.