"Mieten fressen Einkommen"
Das ist der Titel einer Studie des Paritätischen Spitzenverbands der Freien Wohlfahrtspflege. Darin wird untersucht, wie hoch die verfügbaren Einkommen der bundesdeutschen Bevölkerung sind, wenn man sie um die Wohnkosten bereinigt.

Deutlich höhere Armutsquote
Das Ergebnis dieser Untersuchung der Paritätischen Forschungsstelle ist erschreckend: Nach dieser Berechnung leben in Deutschland 18,4 Millionen an der Armutsgrenze. Das sind 5,4 Millionen mehr als bisher angenommen. Die Armutsgefährdungsquote betrüge demnach 22,3 Prozent statt 15,5 Prozent. Als Schwellenwert gilt nach dieser Berechnung ein monatliches Nettoeinkommen von 1.088 Euro für einen Ein-Personen-Haushalt. Besonders betroffen, so ein weiteres Ergebnis der Studie, sind Jüngere im Alter zwischen 18 und 25 Jahren und Ältere in der Gruppe 65 plus sowie Alleinerziehende und Familien mit drei und mehr Kindern.
Alle Bundesländer betroffen
Das Phänomen, dass die Armutsquote steigt, wenn die Wohnkosten eingerechnet werden, zeigt sich in allen Teilen Deutschlands. Auch in Hessen und Thüringen müssen mehr Menschen als armutsgefährdet gelten, wenn man ihre Ausgaben fürs Wohnen berücksichtigt. In Hessen entspricht die um die Wohnkosten bereinigte Armutsquote mit 22,3 Prozent dem Bundesdurchschnitt; in Thüringen liegt sie leicht darunter (21,1 Prozent).
Verschärfung der Ungleichheit
Als Gründe führt das Autorenteam der Studie an, dass in den vergangenen Jahren die Mietpreise schneller gestiegen sind als die Einkommen. Hinzu kommt ein sinkender Bestand an Sozialwohnungen, ein weitgehend unregulierter Mietmarkt und steigende Neubaukosten. Außerdem werden bei Mieterwechsel und Neuvermietungen häufig weit höhere Mietpreise veranschlagt, als die Bestandsmieten betragen, weshalb es in den meisten Fällen aussichtslos ist, durch den Umzug in eine kleinere Wohnung die monatlichen Kosten zu senken. „Wohnen ist zum Armutstreiber geworden“, so das Fazit der Studie: „Die steigenden Wohnkosten verschärfen die soziale Ungleichheit.“