Kategorie Gesundheitssystem

Hessen probt Ernstfall

Das Land Hessen geht neue Wege in der Notfallversorgung. In einem Pilotprojekt soll ein neues Verfahren zur Ersteinschätzung in medizinischen Notfallsituationen getestet werden. 

Weißer Arztkittel mit Stethoskop um den Hals
© Pixabay

Schnellere Wege für Patienten

Bisher war es häufig der Fall, dass Menschen bei plötzlich auftretenden medizinischen Problemen den Rettungsdienst (112) angerufen oder sich direkt in eine Notaufnahme begeben haben, obwohl ihnen auch beim ärztlichen Bereitschaftsdienst (116117) oder durch ihren Hausarzt hätten geholfen werden können. Ziel ist es, durch die Vernetzung der bisher getrennt arbeitenden Anlaufstellen eine bessere Patientensteuerung zu erreichen.

Zusammenarbeit

Für den Testlauf wurden der Main-Kinzig-Kreis, der Main-Taunus-Kreis und der Landkreis Gießen ausgewählt. Dort erfolgt künftig  – egal, ob man die 112 oder 1116117 wählt oder die Notaufnahme aufsucht – eine strukturierte medizinische Erstbefragung und -einschätzung durch das medizinische Fachpersonal. Ziel ist es, herauszufinden, wie dringlich die Erkrankung ist und welche Versorgungsform benötigt wird. Das Ergebnis entscheidet dann über alle weiteren Schritte: Bei einem echten Notfall gibt es einen sofortigen Rettungseinsatz. Bei dringenden, aber nicht lebensbedrohlichen Fällen wird an den Ärztlichen Bereitschaftsdienst weitergegeben. Bei leichteren Beschwerden reicht ein Termin beim Hausarzt am nächsten Wochentag. Dadurch kann im Ernstfall wichtige Zeit gewonnen werden. Außerdem soll das neue System mit Namen SaN (sektorenübergreifende ambulante Notfallversorgung) helfen, die Überlastung der Notaufnahmen abzubauen und nicht erforderliche Einsätze des Rettungsdienstes möglichst zu verhindern.   

Bundesweite Reform geplant

Mit diesem Pilotprojekt testet Hessen als erstes Bundesland Teile der soeben im Kabinett beschlossenen Reform der Notfallversorgung im Realbetrieb. Sofern die Vorschläge von Bundestag und -rat angenommen werden, soll mit deren deutschlandweiten Umsetzung im kommenden Jahr begonnen werden.