VdK-Umfrage zur Gesundheitsversorgung
Mehr als 20.000 Menschen haben sich an einer Umfrage des VdK Hessen-Thüringen zur medizinischen Versorgung beteiligt.

Keine Facharzttermine? Lange Wartezeiten? Kein barrierefreier Zugang zu Arztpraxen? Keine Apotheke in Wohnortnähe? Viele VdK-Mitglieder berichten von Problemen in der medizinischen Versorgung. Deshalb hat der VdK Hessen-Thüringen eine Umfrage zu diesem Thema gemacht, an der sich mehr als 20.000 Menschen beteiligt und uns ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem mitgeteilt haben.
Von November 2025 bis Ende Januar 2026 haben insgesamt 20.113 Menschen an der Online-Umfrage teilgenommen. Der Frauenanteil lag mit fast 55 Prozent deutlich über dem der Männer, das Durchschnittsalter betrug 61,5 Jahre, und fast zwei Dittel gaben an, einen Pflegegrad oder einen Grad der Behinderung zu haben.
Aus den Antworten geht hervor, wo die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Umfrage Defizite in der Gesundheitsversorgung sehen und welche Bereiche sie eher positiv bewerten.
Ambulante Versorgung
Als überwiegend gut empfunden wird die Versorgung durch den Hausarzt, auch die persönliche oder telefonische Terminvergabe funktioniert in den meisten Fällen. Immerhin 59 Prozent gehen davon aus, dass bei Bedarf der Hausarzt auch zu ihnen nach Hause kommt. Schlecht sieht es allerdings mit der Barrierefreiheit und der Erreichbarkeit der Praxen aus: Fast ein Drittel sieht hier ein Defizit.
Nahezu alle Befragten sind gut an Apotheken angebunden, an Kliniken nur um die 60 Prozent und nicht einmal ein Viertel an psychotherapeutische Angebote. Überhaupt sieht es mit der fachärztlichen Anbindung eher mau aus: 46 Prozent der Umfrage-Teilnehmerinnen und -teilnehmer vermissen Fachärzte in der Umgebung.
Um einen Facharzttermin zu bekommen, kann man sich auch an die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigung wenden. 37 Prozent der Umfrage-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer haben das schon einmal gemacht, von denen etwas mehr als ein Drittel zufrieden oder sehr zufrieden mit deren Leistung war. Unzufrieden oder sehr unzufrieden zeigten sich rund 39 Prozent.
Zweiklassenmedizin?
„Sind Sie privat oder gesetzlich versichert?“ Fast jede und jeder hat diese Frage wohl schon einmal als Antwort auf die Bitte um einen Facharzttermin gehört. Auch viele der Teilnehmenden an der VdK-Umfrage: Nur knapp 9 Prozent fühlen sich gleichberechtigt mit Privatpatienten und -patientinnen. 11 Prozent gaben an, keine Facharzttermine zu bekommen. 21 Prozent haben sogar die Erfahrung gemacht, dass nur Privatversicherte einen Termin beim Facharzt erhalten.
Die drei am meisten genannten Benachteiligungen waren: Terminvergabe, Wartezeiten in den Praxen und Zugang zu Fachärzten und Leistungen. Genannt wurde zum Beispiel auch, dass die früher aufgesuchte Physiotherapie-Praxis neuerdings nur noch Privatpatienten annimmt und man sich als gesetzlich Versicherter generell vorkomme wie ein Bittsteller.
Notfallambulanz
Mit dem telefonischen Notruf haben rund 44 Prozent positive und rund 24 Prozent negative Erfahrungen gemacht. Mit der Behandlung in der Notfallambulanz waren, trotz oftmals langer Wartezeiten, rund 40 Prozent zufrieden.
Stationäre Versorgung
Und wie bewerten die Umfrage-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer die Versorgung in einer Klinik? Nur etwas mehr als ein Fünftel gab an, positive Erfahrungen während des Krankenhausaufenthalts gemacht zu haben. Etwa 65 Prozent bewerten die Arbeit von Ärzten und Ärztinnen, Pflegerinnen und Pflegern als schlecht oder sehr schlecht. Das Essen schmeckte rund einem Drittel nicht. Mit dem Entlassmanagement waren nur rund 39 Prozent zufrieden. Als negativ wurden unter anderem die Nachsorge und die Weiterbehandlung empfunden.
Wichtige Erkenntnisse
Die große Zahl der Menschen, die sich an der Umfrage beteiligt haben, belegt die gesellschaftliche Bedeutung des Themas. Der VdK Hessen-Thüringen dankt allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern dafür, dass sie sich die Zeit genommen haben, um uns ihre Erfahrungen mit der Gesundheitsversorgung mitzuteilen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse bilden eine gute Grundlage, um den maßgeblichen Akteuren die Notwendigkeit von Reformen aufzuzeigen.