Ein Mehrwert für alle Menschen
Denkmalschutz und Inklusion passen nicht zusammen? Von wegen: In Michelstadt hat eine Initiative mit dem VdK das Hessische Sozialministerium davon überzeugt, den Abbau von Barrieren in der Odenwaldstadt mit rund 1 Million Euro zu fördern.

Michelstadt gilt als eine der schönsten historischen Städte im Odenwald. Der liebevoll erhaltene und restaurierte Altstadtkern, um geben von einem Burggraben, zieht jedes Jahr zahlreiche Besu cherinnen und Besucher an. Fach werkhäuser säumen die maleri schen, mit Pflastersteinen verse henen Gassen und verleihen der Stadt eine besondere Atmosphäre.
Einsatz für mehr Barrierefreiheit
Doch die historische Bausubstanz hat auch ihre Schattenseiten. Viele Stufen, unebene Pflasterflächen und schwer zugängliche Wege erschweren Menschen mit Behinderungen, Seniorinnen und Senioren oder Familien mit Kinderwagen den Besuch der Innenstadt. Für viele Betroffene ist die Altstadt daher nur eingeschränkt nutzbar.
Das wollte eine Initiative aus Michelstadt ändern. Gemeinsam mit VdK-Landesvorstandsmitglied Hans-Joachim Prassel setzte sich eine Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern rund um die NachhaltigkeitsInitiative “Cittaslow” fünf Jahre lang für mehr Barrierefreiheit ein. Sie warben vor Ort für das Thema, überzeugten die Kommune von notwendigen Verbesserungen und kümmerten sich um die Einwerbung von Fördermitteln.

Förderbescheid überreicht
Der Einsatz hat sich ausgezahlt: Das Hessische Sozialministerium bewilligte über die dort angesiedelte Stabsstelle zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention etwa eine Million Euro für insgesamt 18 Maßnahmen zum Abbau von Barrieren. Den Förderbescheid überreichte Sozialministerin Heike Hofmann persönlich. Dabei betonte sie: “Wir sparen nicht an Inklusion, wir investieren in sie.” Gerade in Zeiten aktueller Kürzungsdebatten wolle das Land damit ein deutliches Zeichen setzen.
Denkmalschutz und Inklusion
Auch der Hessische Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, Andreas Winkel, würdigte das Engagement der Michelstädter Initiative. Barrierefreiheit sei ein wichtiger Beitrag zu mehr Teilhabe und Lebensqualität für alle Menschen. Michelstadt zeige damit, dass Denkmalschutz und Inklusion erfolgreich Hand in Hand gehen können.
Mit dem Geld kann Michelstadt nun kräftig in die Barrierefreiheit investieren: Geplant ist unter anderem, Pflastersteine abzuschleifen, taktile Leitsysteme für sehbehinderte Menschen sowie Rampen an den Zugängen über den Burggraben zu bauen.
VdK gratuliert
Der VdK Hessen-Thüringen gratulierte persönlich durch den stellvertretenden Landesvorsitzenden Patrick Nau. Er hob hervor, dass Barrierefreiheit einen Mehrwert für alle Menschen schaffe und sich das in der Zukunft auch für Michelstadt durch ein höheres Besuchsaufkommen bezahlbar machen werde.