Infoveranstaltung: Wohnen im Alter am 24.05.2018
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VdK thematisiert die Frage, wie Wohnen im Alter in Idstein aussieht
Von Beke Heeren-Pradt
IDSTEIN - „Wohnen im Alter – Wo? Wie? Und wovon?“ Mit dem pointierten Titel ihrer Veranstaltung am Donnerstagabend (24.05.) im gut besuchten Gerberhaus brachten die Organisatoren vom Sozialverband VdK ein Thema ins öffentliche Idsteiner Bewusstsein, das dort bisher noch nicht viel Platz eingenommen hatte.
Eine lebhafte Diskussion
„Am liebsten bleibt doch jeder im Alter dort, wo er auch vorher schon gelebt hat“, brachte Katharina Fischer vom Grundsatzreferat Wohnen des Landesverbandes Hessen des VdK in ihrem Eingangsstatement auf den Punkt, was viele bewegt. Um dies sicherzustellen, bedürfe es in größerem Maß an Unterstützung, erläuterte sie die Forderungen ihres Verbandes nach Teilhabe. Öffentlich geförderter Wohnungsbau gehöre ebenso dazu wie die Schaffung von durchmischten Stadtquartieren, in denen Infrastruktur und Barrierefreiheit gegeben seien.
Wie sieht die Situation in Idstein aus? Um darüber mehr zu erfahren, waren viele Menschen ins Gerberhaus gekommen, die sich auch lebhaft an einer Diskussion beteiligten.
Problematisch sei in Idstein, dass es derzeit keine Bauplätze gebe, berichtete Bürgermeister Christian Herfurth, der die Zahl der registrierten gesuchten Sozialwohnungen mit 300 angab. Das Thema Stadtentwicklung stehe auf der Agenda, brauche jedoch noch Zeit. Dazu komme, dass die Stadt selbst keine Grundstücke besitze, auf denen sie Projekte des sozialen Wohnungsbaus verwirklichen könnte. Daher sei sie auf diesem Gebiet in enger Zusammenarbeit verbunden mit der Kommunalen Wohnungsbau Gesellschaft des Kreises (KWB), die in Idstein zahlreiche Häuser und Wohnungen habe.
Ditmar Joest, Geschäftsführer der KWB, schilderte im Gerberhaus aus seiner Sicht die Situation und versuchte sich an einer Antwort auf die Frage: „Wie sieht es in Idstein aus mit Wohnungen für alte Menschen, die nur ein kleines Einkommen haben?“„Ich kann Ihnen keine guten Nachrichten bringen“, gab er sich nicht unbedingt optimistisch. Ein großes Problem seien derzeit die immensen Baukosten, die in den letzten zehn Jahren um 120 Prozent gestiegen seien. Dies betreffe Städte jeder Größe. Sozialverträgliche Quadratmeterpreise zu erzielen, sei dann in kleineren Städten, wo auch nur kleinere Häuser gebaut werden könnten, noch schwieriger. „Das Problem ist: Die Wohnungen müssen bezahlt werden“, brachte er es auf den Punkt.
Stadt und KWB werden im Rahmen möglicher Nachverdichtung an zwei Stellen neue Häuser in diesem Jahr bauen, berichteten Herfurth und Joest. 6,50 Euro sei der Quadratmeterpreis, der für die dort entstehenden Wohnungen geplant sei. Das sei ein Anfang. Dass es nicht ausreichend sei für die Versorgung mit bezahlbarem Wohnraum – darüber sei man sich im Klaren.
Bürgermeister Herfurth berichtete, dass die Stadt für die geplante Neubebauung auf dem Grundstück der ehemaligen Taubenbergturnhalle zum ersten Mal überhaupt eine Forderung nach einem 15-prozentigen Anteil Sozialwohnungen festgeschrieben habe, die vom Investor einzuhalten sei.
Eine Durchmischung der Wohnquartiere – das sei ein wesentlicher Aspekt, der zu berücksichtigen sei. „Wir sollten den sozialen Wohnungsbau nicht so pushen, dass Ghettos entstehen wie in den Siebzigerjahren“, apostrophiert Joest. Daraus sollte man gelernt haben.
Einige Bürgerfragen beschäftigten sich auch mit neuen Wohnformen für Senioren: Gemeinschaftliches Wohnen in kleinen Wohnungen mit Gemeinschaftsräumen schlug etwa Heike Rühl von der Initiative „Quartier vier“ vor. Ditmar Joest gibt sich in diesem Zusammenhang realistisch. In ländlichen Räumen wie in und um Idstein sehe er derzeit keine Perspektive dafür, wenn sich nicht eine sehr aktive Gruppe formiere, die eine solche Idee voranbringe.
Alfred Strauß, Vorsitzender der veranstaltenden VdK Ortsgruppe Idstein, freute sich über einen solchen Vorschlag: „Bei uns rennen Sie damit offene Türen ein“, zeigte er sich und seine Organisation offen für neue Projekte dieser Art.