Kategorie Kreisverband Limburg

Neujahrsempfang des VdK Kreisverbandes Limburg im Schloss Hadamar

Neujahrsempfang VdK KV Limburg im Schloss Hadamar
v.l. Hans-Jürgen Vorgerd, Claus Eckerlin, Dornburgs Bürgermeister Andreas Höfner (CDU), Dr. Lucia Artner, Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich (CDU), Elisabeth Friedrich (Frauenbeauftragte VdK KV Limburg), Christian Wendel (CDU), Silvia Scheu-Menzer (SPD, Bürgermeisterin Gemeinde Hünfelden), Peter Blum (Bürgermeister Gemeinde Waldbrunn), Tobias Eckert (SPD), Michael Ruoff (CDU, Bürgermeister Stadt Hadamar) und Thomas Fröhlich (CDU, Gemeinde Elbtal). © Bernd-Rainer Volz

Artikel von Bernd-Rainer Volz

Neujahrsempfang des VdK Kreisverbandes Limburg im Schloss Hadamar am 29.01.2026

VdK prangert Kommerzialisierung an: „Pflege darf kein Geschäftsmodell sein, sie ist eine soziale Aufgabe!“

Limburg/Hadamar (brv). „Wir Kommunen sind Ihnen dankbar, und Sie sind für uns unverzichtbar“ unterstrich Hadamars Bürgermeister Michael Ruoff (CDUkurz fürChristlich Demokratische Union) in seinem Grußwort, dies auch im Namen der anwesenden Gemeindeoberhäupter und des Gießener Regierungspräsidenten Dr. Christoph Ullrich (CDUkurz fürChristlich Demokratische Union), sowie der Landtagsabgeordneten Christian Wendel (CDUkurz fürChristlich Demokratische Union) und Tobias Eckert (SPDkurz fürSozialdemokratische Partei Deutschlands). „Viele kennen ja das Gefühl (gerade im sozialen Bereich) einer Behörde gegenüberzustehen“, man verstehe deren komplizierte Sprache nicht und sei geradezu erschlagen von der Fülle von Formularen. Hier sei der Sozialverband VdK gleichzeitig Lotse und Anwalt seiner Mitglieder. 

Mit der Wahl des Fürstensaals des Hadamarer Schlosses hatte der Kreisverband Limburg des Sozialverband VdK Hessen-Thüringen seinem Neujahrsempfang einen würdigen Rahmen gegeben und setzte diesen in Kontrast zu den politischen Forderungen des Verbandes in Bezug auf die Kommunalwahl im März. Claus Eckerlin, Vorsitzender des VdK Bezirksverbands Wiesbaden sowie des Kreisverbandes Limburg mahnte: „Unsere Gesellschaft verändert sich rasant - leider wird das Leben für Randgruppen wie ältere und kranke Menschen zunehmend schwieriger“. Die Spaltung der Gesellschaft nehme zu, „gerade diejenigen, die auf Unterstützung angewiesen sind, geraten oft ins Abseits“. Dies mache sich in den steigenden Mitgliederzahlen des VdK bemerkbar. Um diesem wachsenden Ansturm gerecht zu werden, werde derzeit intensiv an der Umstellung auf ein professionelleres Beratungssystem gearbeitet, was leider in dieser Phase zu einer geringeren Erreichbarkeit führe. „Wir sind zuversichtlich, dass wir bis zum Ende des zweiten Quartals einen optimierten Service bieten können“, so Eckerlin.

Hans-Jürgen Vorgerd, stellvertretender Vorsitzender des Bezirksverbands Wiesbaden, gleichzeitig dessen sozialpolitischer Sprecher mit gleicher Funktion Beisitzer im Kreisverband Limburg konkretisierte die Forderungen des VdK. Auch er beleuchtete den wachsenden sozialen Bruch in der Gesellschaft, dem entschieden entgegengewirkt werden müsse. Gerade die Pflege sei in einer massiven Krise, „mitten unter uns“, wobei aktuell 85 Prozent der Betroffenen zuhause versorgt würden. „Und dies oft von Frauen unter dem Einsatz deren gesamter Kraft und Verantwortung“. Dieser Einsatz könne aber nicht die fehlenden Fachkräfte kompensieren, „Die Pflege droht, still und leise zu kippen - in Einrichtungen, wie auch zu Hause“. Die Zuständigkeiten in der Pflege müssten deutlicher herausgearbeitet werden, „Pflege darf kein Niemandsland sein“. Hier sieht Vorgerd die Kommunen als wesentlichen Akteur. Er forderte ultimativ die Einstufung der Pflege als kommunale Pflichtaufgabe, um das System vor dem drohenden Kollaps zu bewahren.  Denn Kommunen wüssten, wo vor Ort gezielt gesteuert und vernetzt werden müsse. Er erläuterte gezielte Maßnahmen für die Region vor Ort, „Dazu bedarf es politischen Willens und die Sicherstellung der Finanzierung, um eine Handlungsfähigkeit in kommunaler Verantwortung zu ermöglichen“. Ebenso intensiv beleuchtete Jürgen Vorgerd die Bereiche der gesundheitlichen Versorgung und Inklusion, „Inklusion ist kein Extra, sondern ein Menschenrecht“, es ginge um Teilhabe für alle. „Pflege, Gesundheit und Teilhabe dürfen nicht von der Postleitzahl des Wohnorts abhängen“.

„Hier in Hadamar über Inklusion zu sprechen ist etwas ganz Besonderes“, betonte Dr. Lucia Artner und verwies auf die fast 15.000 Menschen, die in der Fürstenstadt im Rahmen der sogenannten „Euthanasie“ ermordet wurden. Sie betreut das Thema Inklusion aus der Landesgeschäftsstelle des Sozialverbandes VdK in Frankfurt. Jeder Mensch habe ein Recht auf Arbeit und Freizeit, so Artner. Die Digitalisierung drohe, Menschen ohne Zugang oder Technik-Affinität endgültig vom gesellschaftlichen Leben abzuhängen. Die größte Barriere befände sich allerdings in den Köpfen der Menschen, da die Gesellschaft die Teilhabe eines Jeden überwiegend nicht lebe. Entsprechend sei die Etablierung einer inklusiven Gesellschaft ein Mammutprojekt, das noch viele Jahre intensiven Einsatz brauche. Sie verwies auf die UN-Behindertenrechtskonvention, in der die Teilhabe von Menschen mit Behinderung festgeschrieben sei. Und sieht die Teilhabe aller Menschen als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, und dabei gerade die Kommunen in der Pflicht, vor Ort koordinierend einzugreifen. Lucia Artner appellierte, Kommunale Behindertenbeauftragte zu installieren, um die Brücke zwischen Verwaltung und Betroffenen zu schlagen. Hierzu böte der Sozialverband VdK ein kostenloses Ausbildungsprogramm an, das auch für Nichtmitglieder offen sei, die im kommunalen Inklusionsbereich aktiv würden. Dieses Seminarangebot, von ihr betreut, werde durch das Hessische Sozialministerium gefördert. Erste Kommunale Behindertenbeauftragte seien in der Region bereits erfolgreich im Einsatz und zeigten, dass der Sozialverband hier auf dem richtigen Weg sei und eine gesamtgesellschaftliche Lücke schließe. Lucia Artner forderte: „Wir müssen weg von der Ellenbogenmentalität und zurück zum ‚unter die Arme greifen‘, um Benachteiligten (etwa durch Alter oder Krankheit) einen Platz in unserer Gesellschaft zurückzugeben“.

 Fotos: Bernd-Rainer Volz