Mythen in der Pflegebegutachtung

Pflege wird oft als Anspruch älterer Menschen zur Unterstützung ihrer Lebenssituation verstanden. Die Pflegegrade dazu als die Einstufung der Pflegebedürftigkeit dieser Personen. Das dies zu einfach gedacht ist, konnte Frau Marion Grumbrecht vom Pflegestützpunkt Wetterau bei ihrem Vortrag beim VdK Gambach-Ober-Hörgern vergangenen Dienstag erläutern. Was Pflege ist, wo sie herkommt und wie sie eingestuft wird, war der Inhalt ihres spannenden Vortrages, zu dem etwa 40 Interessierte gekommen waren.
Zum einen kann Pflegebedürftigkeit alle Altersgruppen – auch Kinder oder jüngere Menschen mit einer Behinderung oder nach einem Unfall betreffen. Zum anderen ist die vorhandene Selbständigkeit heute das wichtigste Kriterium für die Beurteilung einer Pflegebedürftigkeit. Pflege greift nur da, wo Menschen ohne fremde Hilfe Dinge allein nicht mehr erledigen können.
Bei der Beeinträchtigung eines Menschen gibt es 5 Pflegegrade, die sich in der Einstufung von gering über mittel und schwer bis zu schwerste und schwerste mit besonderen Anforderungen unterscheiden. Jeder Grad wird in 6 Bereichen geprüft von Mobilität über Kommunikation, Verhaltensweisen, Selbstversorgung, spezielle Anforderungen und Gestaltung des Alltagslebens. Nach wie vor wird die Selbstversorgung mit 40% am höchsten gewichtet.
Die Einstufung durch den medizinischen Dienst erfolgt durch ausgebildete Kranken- oder Pflegekräfte oder medizinisches Fachpersonal anhand eines standardisierten Fragebogens, der die 6 Bereiche umfasst. Es ist immer sinnvoll, wenn bei der Begutachtung Angehörige, Mitarbeiter des Pflegedienstes oder anderer Einrichtungen wie der VdK zugegen sind. Es ist ebenfalls sinnvoll, wenn Dinge, die beeinträchtigen, in einem Pflegebuch aufgeschrieben sind, damit man anhand von praktischen Beispielen seine Beeinträchtigung besser erklärten kann. Schließlich ist Offenheit wichtig, nichts sollte man verharmlosen, nichts übertreiben. Diagnosen sind wichtig, aber allein sagen sie nichts aus. Es gibt verschiedene Stellen, wo man Testbögen ausfüllen kann, um eine erste Selbsteinschätzung zu bekommen. Der VdK bietet z.B. dazu auf www.vdk.de/themen/pflege/pflegegradrechner/ dazu eine Möglichkeit an.
Pflegestützpunkte bestehen bundesweit und bieten Beratung und Unterstützung für alle gesetzlich versicherten pflege- und hilfsbedürftigen Menschen, deren Angehörigen und sonstigen Beteiligten an. Ebenso stehen sie für allgemein Ratsuchende, z.B. im Vorfeld einer aufkommenden Pflegesituation zur Verfügung. Aber auch bei Hilfe im „Pflege-Dschungel“ der vielen verschiedenen Leistungsansprüchen, bei der Kurzzeitpflege, der staatlichen Pflege, dem Entlastungsbetrag, Nachbarschaftshelfern und vieles mehr sind sie gute Anlaufstellen. In der Wetterau können die Standorte in Büdingen unter 06042/989-3413 und in Friedberg unter 06031/83-3411 erreicht werden. Für privat Versicherte ist die Compass Pflegeberatung zuständig
Zum Abschluss gab es noch eine angeregte Fragerunde und die Teilnehmer sind mit vielen neuen wertvollen Erkenntnissen nach Hause gegangen.