Immer mehr Rentnerinnen und Rentner arbeiten
In Deutschland arbeiten immer mehr Menschen auch im Ruhestand: 2025 waren 14 Prozent der Rentner im Alter von 65 bis 74 Jahren erwerbstätig, 2024 lag ihr Anteil noch bei 13 Prozent. Das belegen aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts.

Den neuen Daten zufolge arbeiteten 73 Prozent als abhängig Beschäftigte, knapp zwei Drittel (65 Prozent) davon waren in einem Mini- oder Ein-Euro-Job geringfügig tätig. Der größte Teil (40 Prozent) ging einer Beschäftigung bis zu 10 Stunden pro Woche nach, für 13 Prozent hatte die Arbeitswoche aber sogar mehr als 40 Stunden.
In Hessen hat im vergangenen Jahr der Anteil der erwerbstätigen Rentnerinnen und Rentner zwischen 65 und 74 Jahren ebenfalls zugenommen auf 14 Prozent (2024: 13 Prozent). In Thüringen blieben demnach 9 Prozent der Ruheständler dieser Altersgruppe in einer Erwerbstätigkeit. 73 Prozent (Hessen) beziehungsweise 78 Prozent (Thüringen) davon waren abhängig beschäftigt, 64 Prozent (Hessen) beziehungsweise 73 Prozent (Thüringen) in einem geringfügigen Arbeitsverhältnis. In beiden Bundesländern arbeitet der größte Teil (Hessen: 38 Prozent, Thüringen: 36 Prozent) weniger als 10 Stunden in der Woche, 12 Prozent der betroffenen Seniorinnen und Senioren in Hessen sind aber 40 Stunden und mehr im Job.
Mit älteren Beschäftigten gegen den Fachkräftemangel
Den Trend fördert sicher auch, dass der Gesetzgeber verschiedene finanzielle Anreize gesetzt hat, um ältere Menschen länger im Arbeitsleben zu halten und so dem zunehmenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Seit 2023 gibt es etwa für Rentner in Deutschland keine Hinzuverdienstgrenze mehr. Und nach den Regelungen der sogenannten Aktivrente können Arbeitnehmer seit Januar 2026 nach Erreichen der gesetzlichen Regelaltersgrenze bis zu 2000 Euro pro Monat steuerfrei aus einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung hinzuverdienen. Das ist von umso größerer Bedeutung, als dass nach dem Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft mehr als jeder zweite Beschäftigte ab 55 Jahren als Fachkraft arbeitet.
Freude am Beruf oder finanzielle Notwendigkeit?
Die Gründe, weiterhin einer bezahlten Arbeit nachzugehen, sind unterschiedlich. Freude am Job oder der Wunsch nach einer sinnvollen Aufgabe und sozialen Kontakten motiviert nach Angaben des Deutschen Zentrums für Altersfragen mehr als 40 Prozent der arbeitenden Rentner. Nach einer repräsentativen Umfrage des VdK unter 2500 Menschen über 50 Jahren kann sich jeder zweite Teilnehmende in Hessen und Thüringen eine Erwerbstätigkeit im Ruhestand vorstellen. Aber: Ein Drittel begründete dies damit, dass die Rente nicht reiche.
Einen weiteren Indikator dafür, dass für viele Betroffene den zusätzlichen Verdienst brauchen, um über die Runden zu kommen, bildet die auf hohem Niveau verharrende Armutsgefährdung der Altersgruppe 65 plus. Laut Sozialberichterstattung gelten in Hessen 19,5 Prozent dieser Senioren als armutsgefährdet, in Thüringen 18,7 Prozent. In dieselbe Richtung weist die steigende Zahl älterer Menschen im Grundsicherungsbezug: In Hessen erhielten Ende 2025 mehr als 67.700 Menschen Grundsicherung im Alter (plus 3,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr), in Thüringen mehr als 9.200 Personen. Im Freistaat war der Zuwachs mit 7,4 Prozent besonders stark.
VdK fordert Rente für alle
Allerdings hat nicht jeder die Möglichkeit, seine Altersversorgung durch einen Zuverdienst aufzubessern. Von der Option ausgeschlossen – und damit unter Umständen allein auf die gesetzliche Rente angewiesen – sind diejenigen, die etwa durch Krankheit oder Einschränkungen nicht mehr arbeitsfähig sind, Angehörige pflegen oder körperlich schwere Arbeiten nicht mehr ausführen können.
Der VdK fordert daher eine auskömmliche gesetzliche Altersversorgung für alle. Um dies zu finanzieren, setzt sich der Verband schon seit Jahren für eine Rentenversicherung ein, in die alle Erwerbstätigen einzahlen, also neben Selbstständigen auch Beamte sowie Politikerinnen und Politiker.