Besuch in der Erlebnisausstellung „Hallo Freiheit! Zusammen über Barrieren“

Barrierefreiheit durch Wohnumfeldverbesserung
Sicher und selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben, das ist der Wunsch vieler Menschen mit gesundheitlichen oder altersbedingten Beeinträchtigungen. Dazu sollte die Wohnung möglichst barrierefrei eingerichtet und mit den wichtigsten Hilfsmitteln ausgestattet sein.
Welche Hilfsmittel stehen dafür zur Verfügung? Wer übernimmt die Finanzierung? Antworten auf diese und andere Fragen bekamen kürzlich die Vorstandsmitglieder des VdK Ortsverbandes Bad Nauheim anlässlich eines Besuchs in der Frankfurter Lern- und Erlebnisausstellung „Hallo Freiheit! Zusammen über Barrieren“. Die Ausstellung in der Rothschildallee ist ein gemeinsames Projekt der Frankfurt University of Applied Sciences, der Frankfurter Stiftung für Gehörlose und Schwerhörige sowie der Fachstelle für Barrierefreiheit des Sozialverbands VdK Hessen-Thüringen.
Die im Frühjahr 2022 eröffnete Ausstellung besteht aus einer Modellwohnung mit Bad, Küche, Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmer. Während der 90-minütigen Führung durch die Räumlichkeiten treffen die Besucher überall auf praktische Hilfsmittel, die den Alltag erleichtern und Sicherheit geben. Dazu gehören im Badezimmer eine bodengleiche Dusche mit Duschstuhl, Haltegriffen und WC-Sitzerhöhung. Weniger bekannt sind Waschbecken mit extra breiten Ablageflächen und höhenverstellbaren Armaturen. Das Badezimmerfenster kann zum Lüften mit einem selbstschließenden Mechanismus umgerüstet werden und auch der Einbau von speziellen Raumspartüren ist möglich.
Im Rahmen der Wohnumfeldverbesserung werden entsprechende Umbaumaßnahmen von den Pflegekassen mit bis zu 4.000 Euro pro Maßnahme gefördert, wenn die Bewohnerin oder der Bewohner über einen Pflegegrad verfügen. Eine weitere weniger bekannte Fördermöglichkeit gibt es vom Land Hessen über die Wohnungsbauförderstelle des jeweiligen Landkreises. Ab einem Pflegegrad 2 oder einem GdBkurz fürGrad der Behinderung von mindestens 50 können Hauseigentümer und Wohnungseigentümer bis zu 5.000 Euro für den behindertengerechten Wohnungsumbau beantragen. Speziell ausgebildete Wohnumfeldberater des VdK stehen bei Bedarf für Beratungen und auch Hausbesuche zur Verfügung.
Die Küche der Ausstellung ist mit höhenverstellbaren bzw. unterfahrbaren Arbeitsflächen ausgestattet und die Oberschränke besitzen ein Hubsystem. Als Schutz vor Küchenbränden wird ein sogenannter Herdwächter empfohlen, der mittels Sensoren Hitze- und Rauchentwicklung erfasst und im Notfall einen Alarm aussendet bzw. den Herd automatisch abschaltet. Speziell geformtes Besteck und farbig gestaltete Teller und Trinkgefäße für Menschen mit Demenz oder Parkinson liegen auf dem Küchentisch zum Ausprobieren bereit. Herd und Waschmaschine sind mit speziellen Schaltern ausgerüstet, so dass Menschen mit Seebeeinträchtigungen über eine Sprachausgabe die Geräte selbstständig bedienen können. Im Schlafzimmer wurde danach die Funktion eines Aufstehbettes demonstriert, dass das Aufstehen ohne fremde Hilfe ermöglicht. Abschließend gab es noch einige Informationen über Hilfsmittel aus dem Bereich der elektronischen Pflegeassistenzsystemen wie z. B. die Homebox Vivi, die Spracheingabe, Terminverwaltung, Erinnerungsfunktion, Sturzsensoren, Notfallhilfe u.a. beinhaltet.
Am Ende der Führung zeigten sich die VdK Vorstandsmitglieder beeindruckt von der Ausstellung, die nicht zuletzt dazu beiträgt, die Besucher für die Bedürfnisse von Menschen mit Beeinträchtigungen zu sensibilisieren. Mit vielen neuen Erkenntnissen trat die VdK Gruppe die Heimreise an.
Im nächsten Jahr ist ein weiterer Besuch der Ausstellung mit interessierten VdK Mitgliedern geplant.